ZIEL DES PROJEKTES

Das Forschungsprojekt "Weit verbreitete Idiome in Europa und darüber hinaus" befasst sich mit Idiomen, die in einer Reihe von Sprachen in nahezu der gleichen lexikalischen und semantischen Struktur existieren. Ziel ist die systematische Erforschung dieses Phänomens anhand möglichst vieler Sprachen.

Ein Hauptziel des Projekts besteht darin, den Kernbestand an Idiomen zu ermitteln, die tatsächlich in vielen Sprachen, europaweit und darüber hinaus, verbreitet sind. Bis jetzt wurden ca. 500 weit verbreitete figurative Lexikoneinheiten ermittelt. Dieses Inventar von Idiomen, die Äquivalente in vielen europäischen Sprachen aufweisen, wird in Wörterbüchern publiziert. Der erste Band mit 190 Idiomen ist 2012 erschienen:

Elisabeth Piirainen: Widespread Idioms in Europe and Beyond: Toward a Lexicon of Common Figurative Units. New York: Peter Lang [Series International Folkloristics, 5], 600 Seiten.

Hier finden Sie die Liste der weit verbreiteten Idiome die im „Lexicon of Common Figurative Units Volume II“ behandelt werden.
Alphabetical list of widespread idioms Volume II

Mit Hilfe eines möglichst vollständigen Inventars dieser Idiome können sodann Fragen zur Anzahl der weit verbreiteten Idiome insgesamt, zum Anteil der einzelnen Sprachen an diesem Kernbestand oder zum oft postulierten Einfluss des Englischen auf die Phraseologie anderer Sprachen exakter beantwortet werden, ebenso wie die Fragen, welchen kulturellen Domänen diese weit verbreiteten Idiome angehören und in welchem Maße die Phraseologie an der Konstitution der Einheitlichkeit der Sprachen Europas beteiligt ist. Siehe dazu das letzte Kapitel des Buches: Conclusions and Main Results.

Zur Entwicklung des Projekts siehe Nutzen und Ergebnisse

Gemeinsamkeiten der Idiome mehrerer (vor allem europäischer) Sprachen sind der Forschung zwar bekannt, jedoch eher auf zufällige Weise. Die Hauptschwächen solcher "Entdeckungen" liegen nicht nur in der geringen Anzahl der untersuchten Sprachen, sondern in der Abwesenheit jeglicher theoretischer Fundierung: Definitionen der Termini finden sich nicht.

Das Projekt umfasst große National- sowie Klein- und Minderheitensprachen der verschiedenen Sprachfamilien Europas und einige außereuropäische Sprachen zum Vergleich. Bis jetzt sind mehr als 90 Sprachen und Dialekte beteiligt.

Da mit dem Projekt in der Linguistik Neuland betreten wird, musste zunächst der theoretische Rahmen sorgfältig erarbeitet werden. Hierzu gehört die Frage nach den Kriterien zur Heraussonderung der tatsächlich weit verbreiteten Idiome von jenen, die nur in einigen wenigen Sprachen vorkommen. Siehe Vorgehensweise

Ausgangspunkt des Projekts bilden die Sprachen Europas (hier in geographischem Sinne definiert). Der Terminus Europäismus ist jedoch für die Zielsetzung des Projekts ungeeignet, da er einerseits nicht frei ist von eurozentrischen Konnotationen und andererseits die Beschränkung des Vorkommens von Idiomen auf den europäischen Sprachraum in der Definition dieses Terminus kontraproduktiv wäre, da mehrere Idiome, die hier untersucht werden, über den europäischen Sprachraum hinaus verbreitet sind. Ebenso entziehen sich Termini wie Inter-Phraseologismus oder Internationalismus einer für unsere Zielsetzung brauchbaren Definition.

Stattdessen wird weit verbreitetes Idiom (englisch widespread idiom, abgekürzt WI) als Arbeitsterminus für Idiome, die in vielen Sprachen Europas und darüber hinaus existieren, vorgeschlagen. Da dieser Terminus neu in die Linguistik eingeführt wurde, musste eine Arbeitsdefinition erstellt werden. Die Definition soll auf den Kriterien basieren, mittels derer die tatsächlich in Europa und darüber hinaus verbreiteten Idiome erfasst werden können. Die Definition beruht somit zunächst auf Heuristiken, ausgehend von dem multilingualen phraseologischen Material selbst.

Vgl. die Beispiele mit Karten.

Arbeitsdefinition Unter weit verbreiteten Idiomen / widespread idioms (kurz: WIs) werden Idiome verstanden, die in mehreren Sprachen (darunter in geographisch nicht benachbarten und genetisch entfernten Sprachen) - unter Berücksichtigung der jeweiligen historischen Entwicklung und kulturellen Grundlage - in der gleichen bzw. einer ähnlichen lexikalischen Struktur und in der gleichen figurativen Kernbedeutung vorkommen.

Ausführlicher dazu: Publikationen (Artikel 2005-2013)