VORGEHENSWEISE

Empirische Methoden

Der erste Schritt: eine Liste potenzieller weit verbreiteter Idiome
Diese Liste bestand aus über 1000 Idiomen, die in mehr als fünf europäischen Sprachen existieren. Sie beruhte auf mancherlei Vorwissen über das Vorkommen von Idiomen in mehreren Sprachen und wurde anhand phraseologischer Publikationen systematisch erweitert. Den Ausgangspunkt bildeten nicht nur einige große Standardsprachen Mitteleuropas (z.B. Englisch, Französisch, Deutsch), sondern von Beginn an wurden die geographisch und genetisch fern stehenden Sprachen Finnisch, Griechisch und Russisch einbezogen.

Der zweite Schritt: die Vortests
Diese potenziellen weit verbreiteten Idiome wurden für weitere genetisch und geographisch unterschiedliche Sprachen vorgetestet, darunter Spanisch, Rumänisch, Bulgarisch, Kroatisch, Polnisch, Lettisch, Estnisch und Ungarisch. Die Vortests erbrachten rund 650 "WI-Kandidaten", die für viele weitere Sprachen begutachtet wurden.

Der dritte Schritt: ein Netzwerk kompetenter Mitarbeiter/innen
Dieser Schritt bestand (und besteht noch) darin, ein Netzwerk von kompetenten Muttersprachlern/innen für möglichst viele Sprachen aufzubauen. Es wurden zehn Fragebögen mit insgesamt 500 "WI-Kandidaten" per E-Mail an Experten/innen vieler Sprachen verschickt, mit der Bitte, die Fragen aufgrund der eigenen Idiom-Kompetenz sowie im Kreise von Kollegen/innen zu begutachten. Die Fragebögen können nunmehr online ausgefüllt werden. Eine Kurzfassung dieser Bögen (short version) mit 100 Idiomen ist für Mitarbeiter/innen gedacht, die neu zum Projekt kommen mit einer bis jetzt darin nicht vertretenen Sprache. Der siebte Fragebogen (in einer veränderten Version) sowie der achte und neunte Fragebogen wurde erst kürzlich auf die Webseite gestellt; Fragebogen zehn folgt später.

Der vierte Schritt: Ausfüllen der Fragebögen
Die Fragebögen wurden zumeist gewissenhaft und umsichtig ausgefüllt. Oft wurden zusätzliche Besonderheiten einzelner Idiome mitgeteilt. Viele Mitarbeiter/innen haben sich die Mühe gemacht, ihre Angaben aufgrund von Internet-Recherchen bzw. Textkorpora zu verifizieren. Mehrfach wurden Unzulänglichkeiten der Wörterbücher hervorgehoben, die u.a. recht geläufige Idiome nicht verzeichnen. Für mehrere Klein- und Minderheitensprachen konnte weder auf Internet-Texte noch auf phraseologische Wörterbücher zurückgegriffen werden; hier erwies sich die Befragung von Informanten/innen als besonders wertvolle Quelle.

Aktueller Stand der Erhebung
Für über 90 Sprachen und Dialekte liegen zuverlässige Daten vor: Das Indoeuropäische in Europa ist mit 54 (der uns zugänglichen) Sprachen recht vollständig vertreten, ebenso wie Maltesisch, eine semitische Sprache, und Baskisch, eine isolierte Sprache. Weniger gut ist es um die finnisch-ugrischen Sprachen und die Turksprachen in Europa bestellt; weitere Mitarbeit ist hier immer noch erforderlich. Unter den finnisch-ugrischen Sprachen sind bis jetzt Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Mokschanisch-Mordwinisch, Erzjanisch-Mordwinisch und Inari-Saamisch gut vertreten; Verstärkung ist noch erforderlich für Karelisch, Wepsisch, Udmurtisch, Mari und Komi-Syrjänisch. Unter den Turksprachen in Europa sind nur Karaimisch, Türkisch, Tatarisch, Kasachisch und Aserbaidschanisch vertreten. Viele Sprachen in Ost- und Südosteuropa sind gegenwärtig für die Erforschung ihrer Idiome nur sehr schwer zugänglich. Von den Kaukasussprachen ist nur Georgisch im Projekt vertreten. Mehrere außereuropäische Sprachen, Jiddisch und Esperanto wurden ebenfalls in das Projekt einbezogen. Das Projekt möchte so viele Sprachen Europas wie nur möglich, sofern sie für Forschungen zugänglich sind, umfassen (s. Beispiele und Karten), ist daher auf die Mitarbeit vieler native speaker und phraseologisch interessierter Linguisten/innen angewiesen.

Jede weitere Mitarbeit an dem Projekt, vor allem für die noch fehlenden Sprachen, ist willkommen!

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Kontaktperson und Publikation

Bitte wenden Sie sich in allen Fragen an Dr. Elisabeth Piirainen. Machen Sie Gebrauch von der Möglichkeit, die Fragebögen online auszufüllen. Auf Wunsch werden Ihnen die Fragebögen auch per E-Mail oder Briefpost zugeschickt (auf Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch oder Finnisch).

Der zweite Band des "Lexicon of Common Figurative Units" soll 2015 erscheinen. Selbstverständlich werden alle Mitarbeiter/innen in dem Buch dankend erwähnt.

Siehe Inhaltsverzeichnis von Teil I und Inhaltsverzeichnis von Teil II

Vgl. Publikationen